Coming-out (von englisch „coming out of the closet“, wörtlich: „aus dem Kleiderschrank herauskommen“) bezeichnet den individuellen Prozess, wenn du dir deiner eigenen gleichgeschlechtlichen Empfindungen bewusst wirst (inneres Coming-out). Du stellst dabei fest, dass deine Gefühle und Empfindungen von gesellschaftlich festgelegten Geschlechterrollen abweichen. Es ist ein Prozess und es kann dauern, bis du dies akzeptieren kannst - lass dir dabei Zeit und lass dich nicht drängen.

Du entscheidest allein, wann und wem du von deinen Gefühlen erzähst (äußeres Coming-out).

 

Dieser Artikel beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Coming-out gleichgeschlechtlich empfindender (homosexueller) Menschen. Ihre Situation und Probleme ähneln aber häufig denen, die Menschen haben, die auf andere Weise von gesellschaftlichen und sexuellen Normvorstellungen und Stereotypen abweichen.
 
Im Coming-out unterscheidet man zwei Phasen, das innere und das äußere Coming-out.

  1. Das innere Coming-out umfasst den Teil des Prozesses bis zur Bewusstwerdung über eine bei der eigenen Person vorhandene homosexuelle Orientierung. Die Feststellung, dass man homosexuell empfindet, erfolgt zunächst für sich selbst. Diese Phase kann unterschiedlich lange dauern, beginnt meist erst mit der Pubertät und kann sich teilweise über viele Jahre hinziehen.
  2. Das äußere Coming-out ist dadurch geprägt, dass man allen oder nur ausgewählten Menschen des sozialen Umfelds, meist beginnend mit nahen Verwandten und Freund*innen, die eigene sexuelle Orientierung mitteilt.

Der Coming-out-Prozess ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Es gibt Fälle, in denen Menschen in relativ hohem Alter ihre Homosexualität ihren Familien, Kolleg*innen oder ihrem Freundeskreis offenbaren. Obwohl diese Menschen, im Gegensatz zu jüngeren, meist finanziell unabhängig sind und nicht von Pubertätsproblemen geplagt werden, haben sie andere Probleme, weil sie meist sehr lange ihrer Umgebung eine Fiktion gezeigt haben, die nur sehr schwer zu widerrufen ist. In vielen Fällen sind sie sogar verheiratet oder haben Kinder.

Wann immer ein*e Betroffene*r in eine fremde Umgebung kommt, etwa einen neuen Arbeitsplatz antritt oder an einen neuen Ort zieht, oder fremde Menschen trifft, die er/sie nicht auf Anhieb abschätzen kann, weil sie zum Beispiel aus anderen Kulturräumen stammen, stellt sich für ihn/sie immer wieder die Frage, ob und wie er/sie seine/ihre sexuelle Orientierung der neuen Umgebung offenbart.

Es gibt kein definiertes Ergebnis für einen Coming-out-Prozess. Die Schattierungen reichen vom völlig offenen bis zum weitgehend zurückgezogenen Leben. Ein wichtiger Punkt ist, ob der/die Betroffene innerlich seine/ihre sexuelle Orientierung akzeptiert hat und sich selbst nicht verleugnet. Jemand kann sich seiner/ihrer homosexuellen Veranlagung bewusst sein oder sogar sexuelle Beziehungen zum selben Geschlecht haben und trotzdem Schuldgefühle oder Selbsthass empfinden.


Meist fällt es homosexuellen Menschen, die in Städten leben, einfacher, über ihre sexuelle Orientierung zu sprechen als Menschen, die in ländlichen Gebieten wohnen. Städte scheinen toleranter zu sein und durch ihre Anonymität eine Sicherheit zu bieten, die es in ländlichen Strukturen nicht gibt. Auch finden schwule, lesbische, bisexuelle und/oder trans* Menschen in Städten eher Gleichgesinnte als auf dem Dorf.

 

Das Coming-out eines Kindes ist oft auch ein Ereignis, das tief in die eigenen Lebens- und Wertevorstellungen der Eltern eingreift und Lebensentwürfe, wie beispielsweise ein Leben mit Enkeln, in Frage stellen kann. Im gesellschaftlichen Kontext werden von ihnen immer wieder problematische, oft schambesetzte, Situationen erlebt, wenn sich das Gespräch beispielsweise auf die Frage nach dem Partner oder der Partnerin des Kindes fokussiert. Häufig werden solche Fragen dann ausweichend beantwortet oder es wird eine eigene kleine Coming-out-Situation erlebt.

Abhängig vom Kulturkreis stehen Menschen mit Migrationshintergrund häufig vor besonderen Schwierigkeiten bei ihrem Coming-out.
In vielen Kulturen sind die Familienstrukturen noch weit ausgeprägter, als sie es heute in Westeuropa sind. Vor allem in den vom Islam beeinflussten, aber auch in lateinamerikanischen und osteuropäischen, stark von konservativen christlichen Werten der katholischen und orthodoxen Kirchen geprägten Ländern gibt es klare Vorstellungen von Geschlechterrollen.

Diese patriarchalisch geordneten Gesellschaften, umgangssprachlich auch Macho-Gesellschaften genannt, bringen ihre Auffassungen von der Hierarchie und dem Zusammenhalt innerhalb einer Familie mit, und werden unter dem Eindruck der auf sie bedrohlich und fremd wirkenden „neuen Kultur“ häufig noch enger zusammengeschweißt.

Die Enttäuschung ist dann um so größer, wenn die Erwartungen an die Geschlechterrollen nicht erfüllt werden können, da der oder die homosexuelle Sohn/Tochter von diesem Schema abweicht. In konservativen Auslegungen des Christentums und des Islam wird Homosexualität als „sündhaft“ angesehen; ein schwuler Sohn bringt deshalb in den Augen dieser Familien in mehrfacher Hinsicht „Schande“ über die Familie.

Häufig wird der Sohn nach seinem Coming-out des Hauses verwiesen, gelegentlich kommt es sogar zu Gewalttaten zur vermeintlichen Wiederherstellung der verloren geglaubten „Ehre“.

Viele der aus diesen Kulturen stammenden schwulen Migranten verzichten deshalb darauf, ihre Familien einzuweihen. Oft wird die sexuelle Orientierung im Verborgenen oder offener in einer anderen Stadt gelebt, so dass zwei Sphären entstehen, die sich im Normalfall nicht berühren.

 

vgl. Quelle: wikipedia.de

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